Das LAG Hessen hat in einem im März diesen Jahres veröffentlichten Urteil vom 05.08.2013 entschieden, dass die außerordentliche Kündigung eines Account-Managers aufgrund von diesem unbefugt vorgenommenen Datenlöschungen gerechtfertigt war. Das Gericht sah es als bewiesen an, dass der gekündigte Kläger im Zuge von Verhandlungen über die Änderung bzw. Aufhebung seines Arbeitsvertrags insgesamt knapp 400 Objekte gelöscht hatte, unter anderem Adresskontakte, E-Mail-Nachrichten, Aufgaben und Termine. Das LAG führt aus, dass es zu den vertraglichen Nebenpflichten eines Arbeitsverhältnisses gehört, dass der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber den Zugriff zu seinen Arbeitsergebnissen, die auch in digitaler Form abgespeichert sein können, jederzeit ermöglicht. Hierzu gehörten, gerade auch bei einer kundenbezogenen Tätigkeit, wie sie der Kläger für die Beklagte ausübte, die Adressen der Kunden, die vereinbarten Termine sowie die tätigkeitsbezogene E-Mail-Korrespondenz.

Wenn ein Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber eigenmächtig den Zugriff zu diesen Daten entziehe oder diese Daten in einer Weise lösche, dass sie nur mit erheblichem Aufwand wieder herzustellen seien, so verstoße er gegen die selbstverständlichen Nebenpflichten eines jeden Arbeitnehmers, die Interessen des Arbeitgebers als seines Vertragspartners zu berücksichtigen. Ein solches Verhalten berechtige in aller Regel zur sofortigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses und die Fortsetzung bis zum Ende der Kündigungsfrist sei unzumutbar – auch ohne vorherige Abmahnung.

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Joachim Hofmann