In zwei Fällen hat der EuGH entschieden, dass auch derjenige, der keinen Urlaubsantrag gestellt hat, nicht zwangsläufig den Anspruch auf Vergütung für die Resturlaubstage verliert. In beiden Fällen endeten die Beschäftigungsverhältnisse zu einem festgelegten Termin, beide Arbeitnehmer hatten ihren Urlaub nicht vollständig genommen und beanspruchten anschließend hierfür eine Entschädigung in Geld. Die Tatsache, dass – anders als bisher nach deutschem Recht – kein Urlaubsantrag gestellt worden sei, sei hierfür nicht entscheidend. Nur wenn die Arbeitnehmer tatsächlich in die Lage versetzt würden, ihre Urlaubstage rechtzeitig zu nehmen, könne ein Geldanspruch ausgeschlossen sein. Hierüber müssten die Arbeitgeber allerdings aufklären und dies ggf. auch beweisen.

Weiterhin entschied der EuGH, dass bei Tod eines Arbeitnehmers die Erben einen Anspruch darauf haben, dass ihnen gegenüber die nicht vom verstorbenen Arbeitnehmer genommenen Urlaubstage finanziell abgegolten werden.

In der Praxis ist den Arbeitgebern anzuraten, ihre Arbeitnehmer zur Sicherheit sogar individuell auf noch bestehende Urlaubsansprüche hinzuweisen und darauf, dass diese im laufenden Jahr genommen werden sollten. Mit den Urteilen dürfte auch die Diskussion dahingehend wieder eröffnet werden, inwieweit Urlaubstage damit theoretisch endlos angehäuft werden können.